PRESSE
Tu. 19.04.11

Ausstellung „Glücksbringer und Unheilbanner“

Magisches Alltagshandeln zwischen Aberglauben und Volksfrömmigkeit
15. Mai bis 6. November, Stockerhof und Hammerschmiede Naichen

Am 15. Mai, dem 34. Internationalen Museumstag, ist es wieder soweit! Bei freiem Eintritt locken Hammerschmiede und Stockerhof Naichen von 13 – 17 Uhr mit einer neuen spannenden Ausstellung. Diesmal geht es um magisches Alltagshandeln zwischen Aberglauben und Volksfrömmigkeit.

Warum lesen so viele Menschen Horoskope? Was ist der Unterschied zwischen Amuletten und Talismanen? Weshalb trugen früher kleine Kinder häufig Korallenschmuck? Warum gelten geweihte Medaillen als besonders wirksam? Was ist ein Drudenfuß? Warum freut man sich über ein vierblättriges Kleeblatt? Kurz: Was bedeutet Magie im Alltag?

Die Ausstellung im Stockerhof Naichen widmet sich der Frage, warum und wie Menschen bis heute bei ihrer Suche nach Glück, Liebe und Reichtum und in ihrer Angst vor bösen Einflüssen auch zu magischen und aber­gläubischen Mitteln greifen: Gutes anziehen und Unheil abwehren gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen; sie bilden die Pole, zwischen denen sich magisches Denken und fromme Praktiken bewegen.

Eine umfangreiche Sammlung von Amuletten und Talismanen aus dem süddeutschen Raum führt in die Wirkung von Glücksbringern ein, die je nach Material und Gestalt auch Unglück vertreiben sollten. 

Die Ausstellung zeigt, welche Bedeutung Hand- und Druckschriften bei der Verbreitung von magischem Wissen, etwa in Form von Ritualen und Zauberpraktiken, hatten: Gedruckte Zauberbücher wie das „6. und 7. Buch Mosis“ oder „Albertus Magnus Egyptische Geheimnisse“ verbreiteten einschlägige Informationen buchstäblich bis in den hintersten Winkel des Landes.

Zur Durchführung komplizierter Praktiken bedurfte es magischer Dienst­leister wie Hexenbanner und Gesundbeter. Gerade in Bayerisch-Schwaben waren bis in die 1960er-Jahre Hexenbanner tätig, die etwa bei Unglücken in Haus und Hof gerufen wurden. Sie konnten, so glaubten viele, schädigende Einflüsse bekämpfen, die angeblich von „bösen Leuten“ und „Hexen“ ausgingen. Wie solche Praktiken aussahen, veranschaulichen eine Foto­dokumen­tation und der Koffer eines schwäbischen Hexenbanners mit seinen Zauberutensilien.

Bis heute suchen Gläubige Gottes Hilfe, indem sie auf bestimmte Formen der Frömmigkeit zurückgreifen: Fromme Handlungen, etwa Wallfahrten, sollen ebenso speziellen Anliegen Nachdruck verleihen wie der Gebrauch geweihter Dinge, zum Beispiel Scheyrer Kreuze, Rosenkränze, Medaillen und Kräuter. Beispiele aus Bayerisch-Schwaben zeigen den Einsatz frommer Praktiken zur Erlangung von (Seelen-)Heil. Die Übergänge zu magischen Handlungen können gelegentlich fließend sein.

Die Ausstellung möchte auch zum Nachdenken über Glücksbringer und Unheilbanner anregen: So darf stark bezweifelt werden, dass sie immer den gewünschten Effekt hatten.

Ausstellung: Dr. Claudia Preis, Dr. Stephan Bachter (artefakte GbR, Klostermühle Holzen, 86695 Allmannshofen). Die umfangreiche Studie „Anleitung zum Aberglauben. Zauberbücher und die Verbreitung magischen Wissens seit dem 18. Jahrhundert“ von Dr. Stephan Bachter ist im Internet zugänglich unter http://www.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2007/3221/.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.

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